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Vortrag Symposion Freie Universität Berlin am 8.11.-10.11. 2019, und

aus: Christoph Wulf/ Jörg Zirfas (Hrsg.), Den Menschen neu denken, Paragrana, Internationale Zeitschrift für Historische Anthropologie, Band 29, 2020, Heft. 1




Vom Gefühl, eine Maschine zu sein

Das ewige Sprechen vom

Neuen Menschen und sein Sinn

 

Abstract

Mit Industrie, Digitalisierung und Neurotechnologie hat sich der Mensch Werkzeuge geschaffen, die den technischen Fortschritt beschleunigen, aber auch die Gefahr bergen, den Menschen nicht nur zu optimieren, sondern ihn als Spezies zu überwinden. Was diese Werkzeuge so effektiv macht, ist ihre Anschlussfähigkeit an seine eigenen Werkzeuge, die Organe. Die Jahrmilliarden dauernde Entwicklung und Erfahrung hat die Zellen unaufhörlich verbessert, verfeinert und enorm widerstandsfähig gemacht, weshalb sie einer Überwindung des Menschen entgegenstehen. Der Mensch wird sich nicht neu definieren, sondern eines Tages seine Definition lediglich modifizieren müssen.

 

 

Technik als Charakter der Natur

 

Alles ist neu. Wenn sich alles verändert. Wenn ununterbrochen aus dem unendlichen Feld des Möglichen neue Phänomene fließen. Das Sein hat keinen Halt, sondern bedeutet bauen: konstruieren, herstellen. Das Übergehen des Seins vom Zustand S1 zu den Zuständen S2, S3, S4 und so fort.

 Alles Neue beginnt mit einem Knall. Einem Paukenschlag. Weil es überrascht, verstört, in Erstaunen setzt. Auch das Universum. Hypothetisch. Der Urknall ist der Beginn des Universums. Nur Energie und Licht, und dann ein Rausch unablässiger Bewegungen, Erneuerungen, Entwicklungen. Alles wird anders. Nichts bleibt. Das Universum wickelt sich aus. Seine Prinzipien entstehen erst nach und nach. Zuerst die Kernkraft, die Atomkerne bildet, dann die elektromagnetische Kraft, die Elektronen auf einer Bahn um den Atomkern hält, danach die schwache Kraft, die Teilchen ineinander umwandelt, und zuletzt die Gravitation, die Wasserstoff- und Heliumkerne zu einem Nebel verdichtet, bis er unter ihrer Kraft zu einer Sonne in sich zusammenstürzt, oder sie bringt viele Sonnen in Rotation und formt sie zu riesigen Spiralgalaxien. Durch diese Kraft können Sonnen Planeten auf eine Umlaufbahn zwingen. Stellt sich ein Abstand zur Sonne ein, der genug Energie liefert, die Temperatur aber nur so hoch wird, dass das Wasser nicht ins Weltall verdunstet, kann etwas so Unwahrscheinliches wie die Erde entstehen.

 In dem glühenden Stein lernen Atome und Moleküle, sich zu Gebilden zu vereinen, die sich fortpflanzen können und unterschiedliche Formen des Lebens wie Bakterien, Pflanzen und Tiere hervorbringen. Ebenso den Menschen mit der Fähigkeit, über sich und das Universum zu reflektieren. So erzeugt das Universum eine gestufte Abfolge von physikalischen, chemischen, biologischen und kulturellen Qualitäten.

 Erste Lebensformen entstehen im Wasser. Sie besiedeln die Erde, wenn auf dem Land geeignete Lebensbedingungen herrschen. Das Prinzip Evolution ist der Anlass zu Entwicklungen, etwa wenn sich Wirbeltiere aus der waagerechten Position des Fisches über Amphibien, Reptilien und Säugetiere emporarbeiten in die Senkrechte des aufrechtstehenden Menschen. Ontogenetisch wiederholen Kinder diese Geschichte und arbeiten sich aus der liegenden Position über das Hocken und Knien in den aufrechten Stand. Im Stehen nutzen Menschen die gesamte ihnen zur Verfügung stehende Streckung, denn sie stehen mit gestreckter Hüfte und gestreckten Knien. Aus der Position leiten sich die moralischen Begriffe aufrecht und aufrichtig ab.

 Anthropos, Homo, etre human, человек, uomo, human being oder 人 sind Begriffe für den Menschen, der nur in seiner Historizität zu verstehen ist. Leiblich gehört er in die Säugetiergruppe der Hominiden. Seine Füße, eine Basis seiner Existenz, bilden zum Rumpf einen rechten Winkel, was ihm ein sicheres Gehen, Stehen und Laufen ermöglicht. Die Opposition des Daumens zu den vier Fingern macht aus seinen Händen ein hervorragendes Werkzeug, und sein auch durch die Hände vermögend gewordenes Gehirn erlaubt, Techniken zur Bearbeitung der Natur und zur Kultivierung des Menschen zu erfinden. Wenn sich Universum und Umwelt unaufhörlich ändern, müssen sich Pflanzen und Tiere ständig anpassen. Der Mensch ist das einzige Wesen mit dem Potenzial, bewusst und aktiv seine Umwelt zu gestalten. So ist er von innen und außen getrieben auf den Weg der Kultivierung.

 Menschen haben im Sprechen, Schreiben und Praktizieren von Ritualen erfolgreiche Techniken entwickelt und das Bewusstsein erweitert, das sie von sich, der Endlichkeit, vom Tod und von der Geschichtlichkeit des Seins haben. Da sie über innere Organe – lebendige Werkzeuge – verfügen, intelligent und neugierig sind und Auge und Hand sich gut zusammenfügen, sind Menschen Werkzeugmacher.

 In den vergangenen hunderttausend Jahren hat sich das Leben der Menschen stark gewandelt, dennoch ist ihre innere, biologische Verfassung immer noch die gleiche wie die der Jäger und Sammler. Und obwohl die Menschen von der an bis heute eine enorme Technik entfaltet haben, ist das Leben im digitalen Zeitalter immer noch naturhaft, da sie der Naturprodukte bedürfen, um diese in körpereigene Substanzen umzuformen und aufzunehmen. Dieser Stoffwechsel oder Metabolismus ist zwingend. Daher ist der Mensch abhängig von Luft, Wasser, Erdboden und Naturerträgen. Das Universum ist die Mutter aller Technik.

 Geht man von dem glühenden und erkaltenden Stein aus, in dem potenziell alles steckt, was je aus ihm werden wird, hat sich das Universum im Menschen ein gewaltiges Werkzeug geschaffen. Dieses universelle Werkzeug greift aktiv und verändernd in die Natur ein und ersinnt selbst neue Werkzeuge. Mit seinem Vermögen der Selbstreflexion erzeugt er unablässig Kulturgüter und verfeinert sie. Es ist diese permanente Produktion, die dem heutigen Menschen die Chance und die Gefahr beschert hat, sich in eine neue Spezies umzuwandeln.

 Da das Universum sich immerfort verändert, findet der Mensch in Göttern, Schamanen und Wissenden eine Möglichkeit, der Unbeständigkeit gedanklich, psychisch und emotional Stabilität zu geben.

 

Götter und Science-Fiction

 

Götter sind die originäre Intelligenz. Sie bilden die Struktur unter dem Schleier der Phänomene. Sie gelten als Schöpfer, Zerstörer und Retter der Welt, die der Welt ihre Intelligenz geben. Nach ihren Gesetzen wirkt die Welt und werden die Ideen hinter den Vorstellungen einer steten Verbesserung des Menschen gespeist. Was die Idee von der Verbesserung dem Menschen schmackhaft macht, sind Religion und Mythos.

 Der einzelne Mensch erweitert sein Wissen, Können und seinen Handlungsspielraum und entwickelt so den Prozess der Technisierung. Mythos und Religion sind Versuche, diesem Prozess Sinn zu geben, der in der Orientierung des Denkens und Handelns liegt. Götter, Helden und Co sind ambivalente Wesen mit Attributen wie Rachsucht und Eitelkeit, wie Allmacht, Güte und Allwissenheit. Und mit der Fähigkeit, sich in jede beliebige Form und jeden möglichen Stoff verwandeln zu können.

 Im Bild der Götter zeigt sich ein alter Traum des Menschen: seine Verbesserung und die Überwindung des Todes. Was die Überwindung des Fleisches bedeutet. Götter haben manipulierbare Körper und sind unsterblich. Osiris, der altägyptische Gott des Todes und der Fruchtbarkeit erneuert jährlich Natur und Kultur, wird aber für den Erhalt seiner Fruchtbarkeit jährlich zerstückelt. Asklepios erweckt Tote zum Leben, woraufhin er getötet wird, da Zeus fürchtet, dass bald kein Mensch mehr sterben wird. Eine aktuelle, transhumanistische Hoffnung. Proteus verwandelt sich in einem einzigen Kampf in einen Löwen, eine Schlange, einen Panther und einen Eber, in fließendes Wasser und in einen Laubbaum. Er kann als ein Urbild aller Technikfantasien und aller Metamorphosen des Erdstoffes angesehen werden. Der Mensch hätte gerne das Zeug und Werkzeug zum Göttlichen: In der Unsterblichkeit der Seele hat er sie bereits bewahrt.

 In Göttern oder Helden kommen die höchsten Ideale des menschlichen Lebens zum Ausdruck, an denen der Mensch begreift, dass er Teil eines größeren Ganzen ist. Darin erweisen sie sich als Steuerungsinstrumente kultureller Entwicklung. Der Sinn des Sprechens über den Neuen Menschen besteht ebenso wie der Glaube an Götter darin, dass sie Zuversicht geben. Beider Wirksamkeit liegt darin, dass sie die geistige und körperliche Widerstandskraft eines Menschen – seine Resilienz – erhöhen.

 

Kommunikation über den Neuen Menschen

 

Super humanos, hyper anthropos, homo novus, super hominem. Worte, die zeigen, dass die Rede vom Neuen Menschen eine lange Geschichte hat und immer von Superlativen die Rede ist. Das Neue im Rahmen einer Kultur offenbart sich in gesellschaftlichen Krisen. Es zeigt sich im politischen, religiösen, wirtschaftlichen und technischen Leben mit der immergleichen Perspektive: einer in der Not scheinbar notwendigen Verbesserung des Menschen.

 Platon sieht es gesellschaftlich im Philosophen, Buddha persönlich im Meditierenden, die Bibel religiös im Gläubigen – Die Sintflut schafft eine neue Menschheit, die Worte von Paulus heißen: „Leget von euch ab den alten Menschen… erneuert euch im Geiste und zieht den neuen Menschen an“, Worte Christi lauten: „Ihr sollt vollkommen sein, wie es euer himmlischer Vater ist", und Meister Eckhard sieht es im Leidenden –, die Renaissance-Utopien verorten es politisch im Individuum, das aus der starren Ordnung des Mittelalters hinausführen soll, René Descartes im Naturwissenschaftler, Thomas Hobbes im Rechnenden und Leibniz im Träumer, der von einem geschrumpften Menschen träumt, der in das Gehirn gelangen und sehen kann, wie all die Pumpen, Kolben, Zahnräder und Hebel arbeiten, der Aufklärung ist der Neue Mensch der durch Erziehung und Bildung Gewandelte.

 Friedrich Nietzsches Begriff Übermensch stammt von Dionysos von Harlikarnassos, ist aber eine Übersetzung des Begriffs homo superior des französischen Philosophen Claude Adrien Helvétius. Er spricht vom Übermenschen als einer höheren Art. Zarathustra lehrt „euch den Übermenschen. Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll“ (Nietzsche, S. 6). Nietzsche bringt die Absicht der Überwindung des Menschen als erster unverhüllt zum Ausdruck. Hundert Jahre ist Jean-Luc Lyotard schon konkreter: „Die Weiterentwicklung der Komplexität benötigt keine weitere Perfektionierung des Menschen, sondern seine Mutation oder seinen Untergang zum Wohle eines besseren Systems“ (Lyotard, S. 280).

 Die Industrie macht Hoffnung auf eine prosperierende Zukunft. Karl Marx kritisiert die Industrie und sieht im Neuen Menschen, dem Proleten, den Hoffnungsträger der Zukunft. In der Sowjetunion und im Nationalsozialismus sind Vorstellungen vom Neuen Menschen an messianische Züge gebunden. In den 1960er und 1970er Jahren hat der Neue Mensch Hochkonjunktur, indem er mit körperlichen, ideologischen und sozialen Vorzügen ausgestattet werden soll. Alle Ideologien über den Neuen Menschen korrespondieren mit den sich unablässig erneuernden Herstellungsmethoden und Werkzeugen.

 

Werkzeuge und Medien, Technik und Träume

 

Das Besondere des Verhältnisses von Mensch und Werkzeug liegt darin, dass der Mensch sinnvollerweise nur deshalb Werkzeuge erzeugt, weil er selbst über innere Werkzeuge verfügt – die Organe (organon, griech., Werkzeug). Seine Werkzeuge sind Arbeit verrichtende Körperteile wie Muskeln, das Gehirn und die Sinne. Der Mensch stellt äußere Werkzeuge her, weil diese an seine inneren Werkzeuge anschließbar sind. Jedes nützliche Werkzeug befindet sich im Einklang mit den Gesetzen von Physik, Chemie, Biologie und Kultur.

 Der Mensch ist ein lebender Organismus, ein lebendiges Werkzeug, das Werke hervorbringt, Energie umwandelt und Wirkungen erzeugt. Er erfindet Werkzeuge wie Waffen, Pflüge und Kutschen, wie Brillen, Flugzeuge und Computer, um sie an seine inneren Organe anzuschließen. Das leisten auch Medien wie Schmuck, Kleider und Bücher. Er erfindet auch Körpertechniken, die sich an seine inneren Werkzeuge anschließen, wie Atmen, Ernähren, Tanzen, Sprechen, Rituale oder das Einnehmen von Drogen. In jeder Kultur atmen die Menschen anders und jede Art und Weise des Atmens hat unterschiedliche Wirkungen und Bedeutungen, so wie die Ernährung nie nur naturgegeben ist, und Rituale führen wie Drogen in bewusstseinsverändernde Zustände. So haben Technik und ihre Methoden nicht nur formale und praktische Bedeutung, sondern sie sind Formen der Naturtechnik.

 In seinen Träumen geht der Mensch weiter. Er erfindet Kunstmenschen wie Pygmalion, Pandora oder den Golem, E.T.A. Hoffmanns Olympia, Mary Shelleys Frankenstein oder mechanische Androiden wie Flötenspieler und Schreiber, deren Idee von Mechanik, Maschine und Automation zu Vorbildern der Industrie werden. Seit deren Beginn ist innerhalb von zwei Jahrhunderten eine so hochentwickelte Technik entstanden, dass die Frage aufkommt, wie es mit dem Menschen in den folgenden Jahrhunderten weitergehen wird, wenn Evolution und Forschung in dem rasanten Tempo voranschreiten. Daher erscheint der Gedanke einleuchtend, das Humane – Gefühl, Moral und Intelligenz – stelle nur eine Episode in der Evolution dar.

 Zielte die Technik bisher darauf, körperliche Merkmale des Menschen zu verbessern, geht es heute um die Verbesserung mentaler Qualitäten. So arbeitet der Mensch ständig an neuen Methoden zur Lösung seiner privaten und gesellschaftlichen Probleme, sowie an der Lösung des Welträtsels.

 

Globalität

 

Die Menschheitsgeschichte ist Teil der Erdgeschichte, eine Geschichte der Verfeinerung der Herstellungsverfahren, der Werkzeuge und der Gebrauchsgüter sowie eine Geschichte der Differenzierung der Gemeinschaften. Der Mensch hat ein gutes Gedächtnis und Verstand, geschickte Hände, ein potentes Gehirn und Bewusstsein, Intelligenz und Kommunikationsfreude, durch die er unaufhörlich Wissen und Fertigkeiten erweitert, die er von einer Generation auf die nächste überträgt. Durch solche Prozesse wächst sein geografisches Einflussgebiet und kleine Gemeinschaften schließen sich zu immer größeren Einheiten wie Reiche und Nationen zusammen, die ihn durch Wege, Landstraßen und Seewege bis hin zu Datenbahnen und zum Internet weltweit miteinander verbinden. Das sind die Elemente der Globalisierung, die in die Weltgemeinschaft führen – in die Globalität.

 Globalität als Abschluss der Globalisierung ist die Utopie einer weltweiten Kooperation mit den sozialen Maßgaben der Gemeinschaftlichkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens. Denn auch der Neue Mensch wird bei allem Individualismus immer als ein Mensch in der Gemeinschaft gedacht. Das ist nicht neu. Neu ist, dass zum Prozess sozialer globaler Regelung die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt und deren Regelung hinzukommt. Globalisierung schafft heute ein Bewusstsein für das Soziale in einer solaren, erdhaften und klimatischen Umwelt. Künstliche Intelligenz, Klone und Cyborgs sind drei Anwendungsbereiche, die den Menschen grundlegend verändern werden.

 

Künstliche Intelligenz, Algorithmus und Roboter

 

Schach, Kochrezepte und Verkehrsregeln sind Algorithmen. Anweisungen zur Lösung von Aufgaben. Technische Algorithmen sind eindeutig, widerspruchsfrei und endlich und erfassen in Sekundenbruchteilen Unmengen an Daten und verrichten Routinearbeit schneller und besser als der Mensch. Künstliche Intelligenz arbeitet rein logisch Anweisungen ab, wogegen die humane Intelligenz ein soziales Vermögen ist, das mit dem Blick für das Ganze kreativ, logisch und konstruktiv antwortet.

 Anwendungsbereiche von Algorithmen sind Navigationssysteme, Smartphones, medizinische Apparate, Computer, Suchmaschinen sowie Bild- und Spracherkennung. Die Bundesbahn hat zur Gesichtserkennung einige zehntausend Kameras installiert und das Navi für den kürzesten Weg von A nach B arbeitet nach dem Dijkstra-Algorithmus. Algorithmen durchdringen unseren Alltag in Haushalten, Automobilen, Fabriken, Büros, im Straßenverkehr und in Partnervermittlungs-Agenturen. Die KI Watson von IBM hat in wenigen Minuten aus dem Vergleich von Daten medizinischer Datenbanken mit den Krankheitsbildern einer Patientin herausgefunden, dass sie an einer seltenen Form von Leukämie leidet – was Ärzten in Monate dauernden Untersuchungen nicht gelang.

 Auch unseriöse oder kriminelle Gruppen arbeiten selbstverständlich mit Algorithmen. Ob Fake-News, Hacking oder Social bots, Programme, die in Netzwerken politische Agitation oder Marketing betreiben. Obwohl die Website Hoaxmap Falschmeldungen enttarnt, ist es gut, selbst kritisch und aufmerksam zu sein. Und auch zu wissen: Ohne Nebenwirkung kann sich niemand im Netz bewegen. Das Internet ist ein Wissensraum, vor allem aber ein Wirtschaftsraum. Das verdecken werbefinanzierte Dienstleister wie Amazon, Facebook, Google oder Alibaba, indem sie Nutzern Foren scheinbar kostenlos zur Verfügung stellen, tatsächlich aber sind User Datenlieferanten und als Betrachter von Werbung selbst Ware und Produkt dieser Unternehmen.

 Die nächste Generation Künstlicher Intelligenz kombiniert Algorithmen mit künstlichen neuronalen Netzen, durch die sie lernt und autonom agiert. Diese Art Künstlicher Intelligenz – etwa Roboter –, entscheidet als Drohne über Leben und Tod, trifft in Unternehmen und staatlichen Institutionen grundlegende Entscheidungen und erstellt in der Medizin Diagnosen: Der Mensch muss daher prüfen, was er einer Maschine anvertrauen und was er unbedingt in der eigenen Hand behalten sollte.

 Google-Vordenker Ray Kurzweil sieht in der Evolution eine ineffiziente Programmiererin. Mit ihrer Software DNS zeichne sie ihre Erfindungen und Entwicklungen in Form digitaler Sätze auf (Kurzweil, S. 73). Ihr Code steuert die Abläufe bei der Entstehung und Entwicklung einer Zelle wie des gesamten Organismus. Das sei die Hardware der Rechenmaschine Gehirn, die es nun gilt, besser zu programmieren. Der Mensch ist am Ende intelligenter als ihre Schöpferin, die Evolution, so wie die Maschine intelligenter sein wird, als ihr Schöpfer, der Mensch (Kurzweil, S. 81). Die Reduktion des Menschen auf die Struktur des binären Codes und auf eine Hard-Software-Maschine macht verständlich, dass eine bessere Maschine als die Maschine Mensch den Menschen überwinden könnte. Doch die Prämisse ist falsch, denn Leben funktionieren nicht binär, sondern analog: zufällig und folgerichtig, logisch und fehlerhaft. Listig sagt Manfred Giesler: „Die Dummheit des Menschen wird der Künstlichen Intelligenz überlegen bleiben“.

 Die Faszination der Digitalisierung liegt im Bedürfnis nach Erleichterung des Lebens, der Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse und der Aufdeckung des Weltgeheimnisses. So arbeiten Roboter als Präzisionswerkzeuge in der Industrie und als Rasenmäher, als Forscher auf dem Mars und als Co-Bots in der Pflege, oder sie arbeiten in Gefahrenzonen wie Atomkraftwerken und Mülldeponien. Sie haben Kraft, arbeiten exakt, werden nie müde, sind ausdauernd, erhalten keinen Lohn und verrichten geduldig monotone Arbeit.

 Künstliche Intelligenz, technische neuronale Netze und Roboter sind Helfer. Sie können Hunger und Armut mindern, Krankheiten beseitigen und Schmerz lindern. Daher sind Maschinen oft optimistisch konnotiert. Der Begründer der Band Can Holger Czukay sagt: "Wenn du dich in das Leben einer Maschine einfühlen kannst, dann bist du definitiv ein Meister" (Balzer). Die Musik von Can höre sich an wie eine lebendige Maschine. Maschinen werden kein Bewusstsein entwickeln, da es ans Leben gebunden ist, und werden daher den Menschen nicht versklaven. Erst wenn die digitale Technik wie bei Cyborgs ins Fleisch schneidet, kann Technik zur Gefahr und die Zeit reif werden, sich dieser Gefahr zu stellen.

 

Fleisch und Maschine

 

Ein geisterhafter Raum, in dem der Mensch steckt. Lebt. Ist. Die Vorstellung, die er sich von diesem Raum macht, ist das Körperbild, das im Körperschema gründet, dem unbewussten Wissen vom eigenen Leib in Bezug auf Bewegung, Lage und Haltung im Raum. Allerdings kann er diesen Raum als Raum und eigenen Raum erst in der Störung erfahren (Plügge, S. 2), was geschieht, wenn Fremdes in den Raum eindringt, wie Mikrochips, die ins Fleisch schneiden.

 Fleisch ist eine besondere Substanz. Der weiche Stoff, der diesen Raum größtenteils ausfüllt: Organe, Muskeln, Gehirn und Bindegewebe. Maschinenteile dagegen sind hart und leibfremd. Wenn im Cyborg (cybernetic organism) Fleisch und Maschine zusammentreffen, das Harte mit dem Weichen, findet eine Entfremdung statt, die sich bei Jean-Luc Nancy bereits mit dem Eindringen seines neuen fremden, aber fleischlichen Herzens ereignet (Nancy, S. 33).

 Cyborgs sind Mischwesen. Technisch dauerhaft durch körperfremde Bauteile erweiterte Menschen, Kombinationen aus lebendigem Fleisch und Maschine. Analoge Verbesserungen erfolgen durch Herzschrittmacher, Prothesen oder Zahnimplantate, digitale Verbesserungen durch elektronische Stimulation oder durch Mikrochips, die Sinnesorgane und Gehirnpartien reparieren, oder sie erweitern deren Funktionen. In Schweden gibt es den Personalausweis oder den Türöffner als implantierten Chip, Präsentationen lassen sich über Gesten steuern und Texte sich einsprechen, Gedanken können Prothesen, Tastaturen und andere Geräte steuern. Die Implantierung von Chips als Cochlea-Ersatz ist bereits Routine.

 In Zukunft wird es unterschiedlichste Formen aus analogem und digitalem Leben geben (Schwab, S. 113). Posthumanismus ist die Weiterentwicklung des Menschen mit digitalen Mitteln. Fleisch wird Information (Demuth, S. 269). Der Philosoph Nick Bostrom nennt drei posthumane Merkmale (Bostrom, S. 146ff): Der Mensch ist geistig und leiblich vollkommen gesund und produktiv (Gesundheit); er vermag Folgerungen rasch und präzise zu ziehen, verfügt über ein gutes Erinnerungsvermögen und wertschätzt Humor und Spiritualität (Kognition:); er genießt das Leben und kann angemessen auf Situationen und Menschen reagieren (Emotion). Das ist das Human Enhancement, das lediglich der Optimierung gesunder Menschen dient. Wer solche Wünsche hat, führt ideell schon ein posthumanes Leben. Für solche Fertigkeiten sind aber digitale Elemente wie Sonden und Chips erforderlich.

 Doch der Leib kann nicht alles ertragen. Das Gefühl für den eigenen Leib (Eigenwahrnehmung) setzt voraus, dass Gleichgewichtssinn, visuelle Wahrnehmung und Körperschema gut zusammenarbeiten, damit sich der Mensch seines Leibes versichern kann (Sacks, S. 81). Eigenwahrnehmung ist das Resultat beständiger Informationen von Muskeln, Sehnen und Gelenken an das Gehirn zur Steuerung von Haltung und Bewegung. Wird das Schema gestört, entsteht ein Gefühl der Leiblosigkeit, durch die Bewegungen und Haltungen nicht mehr automatisch, sondern nur noch mit Hilfe der Augen gesteuert werden können, wobei die Bewegungen ihre Natürlichkeit einbüßen und maschinenhaft wirken.

 Da Körperbild, Menschenbild und Körperschema durch alles modifiziert werden, was sich im und am Körper ereignet, verändern Wearables und Implantate diese Bilder. Was wird aus Körperbild und Körperschema, wenn digitale Geräte am Leib getragen werden wie Smartwatch und Mobilfon, und was durch die Stunden vor Monitoren in Netzwerken? Warum interessiert nur wenige, was mit ihren Daten geschieht, und warum dulden viele eine Kommunikationsform, bei der sie mit anderen zusammen sind und alle mit ihrem Mobilfon beschäftigt sind? Was wird aus Körperbild und Körperschema, wenn sich Maschinen im Fleisch an Organe anbinden? Etwa an ein Gehirnareal: ein dauerhaft befestigter Fremdkörper, der ununterbrochen elektrische Impulse aussendet. Da das Gehirn Träger der Individualität und der Persönlichkeit ist, hebt ein Chip im Cortex die Trennlinie von Maschine und Mensch auf, und beeinflusst Denken und Handeln.

 Die Risiken sind groß: Eine Gehirnoperation ist ein gravierender Eingriff. Hirnblutungen und Infektionen sind möglich, Zellen werden zerstört, beständig werden Impulse ausgegeben, Elektroden funktionieren nach Jahren nicht mehr und Chips schwächen das Immunsystem. Dazu verliert der Mensch ein Stück seiner Autonomie, da ihn Maschinen, die ihn steuern, abhängig machen.

 Diese Phänomene scheinen sich noch der Wahrnehmung, Beschreibung und Erkenntnis zu entziehen, könnten aber ein Hinweis darauf sein, dass das Fleisch aufgelöst und seine Umwandlung in Technik vollzogen wird, da der Mensch möglicherweise in Zukunft der Qualitäten des Organischen und des Fleisches nicht mehr bedarf.

 

Synthetische Biologie – Gene, Klone, Bioprints und Genschere

 

Gene sind Träger der Erbinformation von Zellen. Sie beschreiben einen Abschnitt auf der DNA, die aus den vier Grundbausteinen Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin besteht. Sie bilden den Code, der die Information enthält, die eine Zelle zur Verrichtung ihrer Arbeit benötigt. Die gesamte DNA einer Zelle heißt Genom und enthält die komplette Information zur Entwicklung eines Lebewesens.

 Die Arbeit an Genen ist eine Eigenschaft der Natur. Amöben, Bakterien, Pilze und Pflanzen vermögen sich selbst zu klonen. Auch Zwillinge sind natürliche Klone. Auch im Alltag arbeitet der Mensch beständig an der Struktur seiner Gene. Mit jeder neuen Umgebung, jedem neuen Verhalten, jeder Partnerwahl oder dem Einnehmen von Pharmaka gibt er sich neue Impulse, die bis hinein in die Erbanlage, die Gene führen. Diese epigenetische Perspektive zeigt, dass nicht nur Gene den Menschen steuern, sondern dass Signale aus der Zelle, aus ihrer Umgebung und aus der Umwelt des Menschen durch die Zellwand hindurch auf den Zellkern und auf die DNA treffen, wo sie Gene beeinflussen.

 Heute greifen Forscher in die Genstruktur ein. Mit den Methoden wie Klonen, Bioprinten und Klonieren (Genschere). Beim Klonen wird das Erbgut von Eizellen gezielt durch die Übertragung fremden Genmaterials verändert. Klonen ist die Erzeugung eines gesamten Organismus mit der gleichen genetischen Ausstattung wie ein anderer Organismus, so dass beide über die nahezu gleiche DNA verfügen.

 Beim Bioprinting wird lebendiges Gewebe aus einzelnen gezüchteten Zellen aufgebaut. Etwa um es zur Reparatur eines Gewebes oder Organs zu implantieren. Das Bioprintern mit einem 3D-Biodrucker wird das Gesundheitswesen radikal verändern. Biogeprintertes Leder oder Nahrungsmittel wie Käse und Fleisch, das aus Zellen gezüchtet wird, würden die Massentierhaltung, den Treibhauseffekt und das Töten von Tieren erheblich reduzieren. Was aber wäre die Wirkung einer solchen Art von Nahrung auf den Organismus? Die Reparatur von Gendefekten ist heute bereits Realität, und bald steht das Drucken von Pillen und ganzen Organen bevor (vgl. Schwab, S. 213).

 Beim Klonieren, der Anwendung der Genschere (CRISPR), lassen sich Veränderungen am Erbgut (DNA) vornehmen, auch mit der Hoffnung, Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer wirksam therapieren zu können. Die Schere kann ganze DNA-Abschnitte aus dem Erbgut herausschneiden und an anderer Stelle einfügen, ein einzelnes Gen zerstören, ein Gen ein- oder ausschalten oder eine Mutation herbeiführen. Hierbei können „weitreichende Veränderungen an unserem Körperbau und unserem Immunsystem vorgenommen werden… aber wir könnten auch an unseren geistigen und emotionalen Fähigkeiten schrauben“ (Harari, S. 492). Die Anwendung dieser Methode auf Stammzellen birgt die Gefahr der Neuschöpfung einer Spezies, einer master race, kann doch der Code des Lebens umgeschrieben werden (Sorgner, S. 14). Für solche biotechnologische Forschung und Anwendung muss ein strenger ethischer Rahmen bereitgestellt werden, den Politik, Unternehmen, Individuen und die Zivilgesellschaft verbindlich festlegen.                                                                                                

Naturgesetze und die Weisheit der Zelle       

 

Was jeden Menschen potenziell weise sein lässt ist das Verhältnis von Zelle und Gesamtorganismus. Da lebende Zellen nur aus lebendigen Zellen hervorgehen können, sind sie auf die – durch die unendlich lange Kette der vor 3,5 Milliarden Jahren entstandenen – ersten lebenden Zellen zurückführbar. Der genetische Code heutiger Lebewesen belegt diese Abhängigkeit. Diese Milliardenjahre alte Kette ist der stabilisierende Faktor allen heutigen Lebens. Eine Zelle hat ihre eigene Struktur und arbeitet zum Erhalt ihrer Existenz für sich, kommuniziert aber zugleich – direkt und indirekt – mit den Billionen anderer Zellen wie in einem sozialen Verband, um das hochkomplexe System Mensch zu erhalten. Wie die Zelle ihre Erfahrung speichert und weitergibt, so speichert auch die Gesamtheit der Zellen ihre Erfahrung und gibt sie weiter. Deshalb ist für den Stammzellforscher Bruce Lipton der Mensch „eine kooperative Gemeinschaft von 50 Billionen einzelligen Mitgliedern“ (Lipton, S. 26). So gehen Zellen und ihre Elemente in ähnlicher Weise miteinander um, wie Menschen: Sie kommunizieren. Daher ruht in jedem Lebewesen, tief verankert, durch eine lange Entwicklungskette verbunden, Weisheit, die allein der Mensch wecken und bewusst machen kann. Hierin liegt eine verantwortungsvolle Aufgabe für jeden Menschen.

 

Den Menschen groß denken

 

Wir sehen den gewaltigen glühenden Stein, sehen seine logische und gesetzmäßige, fehlerhafte und chaotische Entwicklung von der Physik und Chemie hin auf die Ebenen von Biologie und Kultur, und sehen am Ende Forscher*innen, die als Produkt dieses Prozesses die Evolution selbst in die Hand genommen und Gesetze der Biologie aufgelöst haben und nun selbst Schöpfer*innen geworden sind, und an dem Ast sägen, auf dem sie – und alle anderen – sitzen. Stumpf geworden schauen wir dem Klimawandel, der Überfischung der Meere und der Armut, der Vergiftung der Atmosphäre und dem Einzug von Plastik in Lebewesen, den Kriegen und der Abholzung der Wälder zu. Sowie dem Internet, in dem Datenmissbrauch betrieben wird, in dem Kinderpornografie und Waffen angeboten werden (A. Grunwald, S. 27) und das unsere Privatheit bedroht.

 Werden Künstliche Intelligenz, Klone und Cyborgs diese Probleme und die Nebenwirkungen unseres Handelns besser unter Kontrolle bringen als die traditionelle, humane Menschheit, so dass sich Ungerechtigkeit, Armut und Krieg erheblich reduzieren?

 Wir erleben aber in der Gegenwart auch – etwa als Folge von Digitalisierung und Klonieren – eine ständige Verbesserung der Lebensumstände der meisten Menschen: Kindersterblichkeit, Kriminalität und Kinderarbeit nehmen ab, Kriegstote, Todesopfer durch Naturkatastrophen, Hinrichtungen, Einbrüche und Tote durch Schusswaffen seltener. Der deutsche Wald erholt sich, die Luft in Innenräumen verbessert sich und weltweit geht das Analphabetentum zurück (vgl. Mingels).

 Darin liegen Hoffnungen, die uns mit der Zukunft verbinden. Wie gute Gefühle, wie Bedürfnisse und Freude, wie Schönheit und Berufe sowie Familie und Freundschaft. Das sind die Motive, aus denen wir moralische Regeln ableiten, die dafür sorgen sollen, dass wir die Existenz der Menschheit nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

 Aber wir werden uns, im Rahmen der Evolution, wohl neu entwerfen müssen – als Person und als Gattung. Denn nun tauchen völlig neue Arten von Fragen auf: Wieviel Digitalität, Genveränderung und Maschine können wir in uns integrieren, ohne das Gefühl zu verlieren, ein Mensch zu sein? Daher ist der Erwerb von Möglichkeiten entscheidend, sich in sich – mit den neuen Medien und Maschinen – so weit einzufühlen, bis der partielle Maschinencharakter zu spüren ist. So ließen sich Gefahren erfühlen und könnte verstanden werden, was maschinenhafte Elemente im Menschen anrichten, und wie wir ihnen zu begegnen hätten.

 Wir müssen den Menschen groß denken. Was sich in Jahrmilliarden aus dem Leben und in Jahrmillionen aus dem Menschen entwickelt hat, lässt sich nicht ohne weiteres zerstören oder überwinden, denn die Evolution ist ein mächtiges Schwungrad. Dabei wird uns die Evolution unterstützen, denn Intelligenz ist in ihrer höchsten Form eine mit allem verbundene und alles erfassende Intelligenz, die Gefühle, Empathie und Sozialität in Überlegungen und Folgerungen einbezieht. Sie ist an einen lebendigen Körper gebunden, bei dem die Sinne eine zentrale Rolle spielen. Da eine globale Gesellschaft eine global verfahrende Intelligenz braucht, wird die Evolution diese Art Intelligenz fördern.

Dennoch brauchen wir die Utopie einer weltweiten Kooperation von Menschen, die sich mit Engagement der Gerechtigkeit, der Gewaltfreiheit und der Nachhaltigkeit widmen. Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, ein Wesen mit Gemeinschaftssinn und Sinn für Sozialität. Gemeinschaft entsteht durch Anteilnahme, Gefühl und Verantwortung. Das bleibt der Künstlichen Intelligenz, dem Klon und dem Cyborg verwehrt.

  Wir brauchen einen kritischen Optimismus, der uns beflügelt, selbstbewusst die Zukunft im Sinne eines aufmerksamen Humanismus zu gestalten. Der Cyborg mag das Problem eines einzelnes Körpers und einer einzelnen Existenz lösen, aber nicht das der Gemeinschaft, denn er benötigt sie nicht: Er ist eine digitale Monade. Angenommen, die Evolution hätte den Menschen auf die gemeinschaftliche Ebene der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Solidarität, der Liebe und der Barmherzigkeit emporgehoben, so könnte das digitale Manöver auch zeigen, dass es der Evolution egal ist, ob es diese Art der Gemeinschaft gibt oder ob sie nicht transformiert werden sollte. Wenn der Mensch groß denkt, bedeutet das, dass er sich darauf nicht einlässt, sondern dass er seine ganz spezifische humane Aufgabe spürt und das System der Gesellschaft nicht aufgibt.

 



Literatur

 

Armbruster, Alexander (Hrsg.), Künstliche Intelligenz für jedermann. Wie wir von schlauen Computern profitieren, Frankfurt/M. 2018

Balzer, Jens (2018, 14.03., Wie fühlt eine Maschine). Abgerufen 20.07.2019 von https:/www.zeit.de/2018/12/holger-czukay-can-mitgruender-solowerke-kompilation

Bostrom, Nick, Die Zukunft der Menschheit, Berlin 2018

Brockman, John, Was sollen wir von Künstlicher Intelligenz halten? Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über intelligente Maschinen, Frankfurt/M. 2017

Coester, Christine (2017, 31.08., Eine halbe Million unsichere Herzschrittmacher werden zurückgerufen). Abgerufen 19.07.2019 von https://www.gruenderszene.de/allgemein/herzschrittmacher-hacks-update

Demuth, Volker, Fleisch. Versuch einer Carneologie, Berlin 2016

Grunwald, Armin, Der unterlegene Mensch. Die Zukunft der Menschheit im Angesicht von Algorithmen,

Künstlicher Intelligenz und Robotern, München 2019

Grunwald, Martin, Homo Hapticus, München 2017

Harari, Yuval Noah, Eine kurze Geschichte der Menschheit, München 2013

Kurzweil, Ray, Homo S@piens. Leben im 21. Jahrhundert. Was bleibt vom Menschen? München 2000

Lipton, Bruce H., Intelligente Zellen. Wie Erfahrungen unsere Gene steuern, Burgrain 2007

Lyotard, Jean-François, Postmoderne Moralitäten, Wien 1998

Mingels, Guido, Früher war alles schlechter. Warum es uns trotz Kriegen, Krankheiten und Katastrophen immer besser geht, München 2018

Nancy, Jean-Luc, Der Eindringling. Das fremde Herz, Berlin 2000

Nietzsche, Friedrich, Also sprach Zarathustra, Stuttgart

Plügge, Herbert, Der Mensch und sein Leib, Tübingen 1962

Sacks, Oliver, Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte, Reinbek 1991

Schwab, Klaus, mit Nicolas Davis, Die Zukunft der Vierten Industriellen Revolution, München 2019

Sorgner, Stefan Lorenz, Schöner neuer Mensch, Berlin 2018

 




© Hajo Eickhoff 2019




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