Das Ungewöhnliche der Werke von Thomas Bernhard (1931-1989) besteht in der Brillanz der Form. Auch darin, dass die in ihnen formulierten Ahnungen und das Wissen durchaus an wissenschaftliche Erkenntnisse erinnern. Das Subjektive der den Menschen bedrängenden Existenz wird im Erkenntnisvorgang nicht objektiviert und getilgt, sondern gnadenlos subjektiv in das kosmische Sein integriert. Zwischen seinem Wissen und seiner Kindheit und besonderen Erziehung besteht eine enge Bindung: Bernhard ist frei von den Prägungen der klassischen Bildung und kann in einer originellen und einfachen Art die großen Themen des menschlichen Daseins durchdenken und darstellen. Bernhards Blick ist unbestechlich und bestechlich zugleich. Frei von der Angst vor der Erwartung anderer und vom Zwang zum Guten Ton gelingt es ihm, zu sagen, was man eigentlich nicht sagt. Seine Literatur hat in der kompliziert erscheinenden Welt mit einfachen Lösungen Möglichkeiten erschlossen, öffentlich um die Angelegenheiten und die Befindlichkeit der Gemeinschaft zu streiten und in einem ursprünglichen Sinn Politik zu treiben. Er hat das, worüber man in der Öffentlichkeit sprechen kann, um das Fremde und das Beängstigende, das Gemeine und Abstoßende im Menschen erweitert. Er hat damit öffentliche Diskussionen ausgelöst: begeisternden Zuspruch erhalten und einen Sturm der Entrüstung entfacht. Seine Texte sind oft frech, respektlos und dreist und haben zugleich eine Leichtigkeit. Die Leichtigkeit ergibt sich aus seinem unbändigen Humor, der äußerlich oft aus dem Spott gleichkommt.

 

© Hajo Eickhoff 2014

 

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13. Dezember 2017

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