erschienen 2003, Geisenheim

 

 

Horizont der Verantwortung

Fünf Unternehmensformen

 

 

                   

Es ist möglich,

als großer Mensch zu handeln.

Mêng Tzù

 

 

Das Universum als Unternehmen

 

Bewegt bis in seine kleinsten Gliederungen, die Atome. Aus sich heraus entlässt die Materie die unterschiedlichen Gestaltungen und die höheren Formen wie Pflanzen, Lebewesen und Menschen, an die sie ihre Unternehmungslust weitergibt. Mit dem Auftreten des Menschen bringt das Universum eigenartige, immaterielle Vermögen hervor: Geist, Seele und Bewusstsein.

 

 

Archaische Unternehmen

 

Was immer der Mensch im Außen tut, sein Tun ist ein Unternehmen, ein Beschaffen von Nahrung und ein Herstellen von stofflichen und immateriellen Erzeugnissen. In seinen Unternehmungen gibt er der Welt etwas Neues. Er überführt sie in einen neuen Zustand und bringt sie aus dem Gleichgewicht. Die Kunst liegt darin, die Welt in der Balance zu halten, während er ihr etwas Neues hinzufügt.

 

Früchte sammelnd und kleine Tiere jagend mag der Mensch sich noch selbst genügen. Aber bei der Jagd etwa eines Mammuts muss er seine Unmittelbarkeit überschreiten. Er geht in der Gruppe auf die Jagd, die ein geordnetes Vorgehen, einen Plan erfordert, in dem jeder Jäger notwendige Funktionen ausübt und den Platz einnimmt, an dem er seine persönliche Fähigkeit einsetzt. Die Jäger bilden einen sozialen Körper, der dem Mammut als ein Wesen gegenübertritt, das mit organischen Eigenschaften ausgestattet scheint, die mit denen des Tieres vergleichbar sind: Die Gruppe hat Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer und kann durch die Fähigkeit der Sinnesorgane, die Fertigkeit der einzelnen Jagdmitglieder und den gemeinsamen Plan auf Angriffe und Flucht des gejagten Tieres reagieren. Das erlegte Tier wird zur Quelle einer umfangreichen und gewissenhaften Produktion. Da der Einzelne bei der Großwildjagd wenig vermag, ist es die Gruppe, die ihm Macht, Halt und Identität gibt. Das archaische Unternehmen dient der Verfolgung eines gemeinschaftlichen Zwecks durch das gemeinsame Handeln Einzelner, die ihren Lebenssinn in der Verausgabung von Körperkraft und der Kooperation mit anderen, in der lebhaften Tätigkeit der Sinnesorgane und der kosmischen Geborgenheit finden.

 

Der Hausbau gibt dem menschlichen Unternehmen eine weithin sichtbare Gestalt. Das Unternehmen erhält ein Zentrum, einen Unternehmenssitz. Mit dem Haus wandelt der Mensch grundlegend die Art seiner Produktion und die Form seiner Erzeugnisse. Er reduziert das Sammeln und Jagen, treibt Ackerbau und züchtet Tiere, steigert seine Produktivität um ein Vielfaches und arbeitet an seiner leiblichen und geistigen Kultur. Wie bei Sammlern und Jägern sind die Aktivitäten der frühen Hausbewohner Unternehmen inmitten der Natur. Werkzeuge und Prinzipien moderner Unternehmen wie Büro und Unternehmenskultur sind ihnen unbekannt, sie folgen aber Idealen, die über das eigene Leben hinausweisen und kosmische Dimensionen haben, denn Jagdbeute und Ernte sind ihnen keine Mittel, sondern geweihte Zwecke. Sie werden als Geschenk des Kosmos und der Götter aufgefasst, die in Form des Opfers einen Teil zurückerhalten. Wie die Gruppe den Einzelnen einfasst, so umgreift der Kosmos die Gruppe, da der Mensch nur ein ihm sinnvoll erscheinendes Leben führen kann, wenn er seine leibliche Organisation und die Ordnung seiner Gemeinschaft in einem ihm fremden Medium aufbewahrt, in einem kosmischen Wesen oder an einem unerreichbaren Ort. Von Anbeginn an sind Unternehmen nicht nur Werkzeugproduktion und Nahrungsbeschaffung, sondern wesentlich Stiftung und Bewahrung von Ordnung und Lebenssinn, die im Mythos, in der Sonne oder in Utopien festgehalten sind: Es sind diese Sterne, die den Menschen leiten.

 

 

Der Mensch als Unternehmen

 

Ein biologisches Unternehmen, das aus einer einzigen befruchteten Eizelle entsteht. Durch Zellteilung, durch die der Mensch wächst, wird eine unermessliche Menge an Erbinformation weitergegeben. Die winzige Körperzelle ist eine gewaltige Produktionsstätte. Sie bringt neue Stoffe hervor, transportiert Material, erzeugt Energie und steht mit ihrer Umgebung in einem unablässigen Austausch. Sie bildet die Basis des Unternehmens Mensch und fungiert als Mitarbeiter und Träger des Könnens und der Information. Sie wehrt Reize, Informationen und Rohstoffe ab oder nimmt sie an und arbeitet die Rohstoffe in zelleigene Substanzen um. Die Zellen teilen sich und lassen den Organismus wachsen und leisten ihren Beitrag, alle Prozesse im Gleichgewicht zu halten. Sie arbeiten nach einem ihnen innewohnenden Plan, bilden Kraft und Essenz des Gesamtorganismus und können auf eine lange Erfahrung zurückgreifen, da alle heute lebenden Zellen in einer ununterbrochenen Kette von den ersten Zellen abstammen, die auf der Erde entstanden. Die Zellen haben sich in ihrer Geschichte zu größeren Einheiten, Abteilungen vereint, sich zu Funktionen und Organen wie Lunge, Herz und Blutkreislauf, wie Sinne, Gehirn und Muskeln spezialisiert.

 

Der vom Herzen angetriebene Blutkreislauf ist ein Zentrum der Versorgung. Ein Transportsystem, das über Mund, Luftröhre und Lungen Sauerstoff und über Mund, Speiseröhre und Magen Nahrung aufnimmt und zu den Körperzellen transportiert. Die Organe, denen vom Kreislauf Grundstoffe und Energie zugeführt werden, bearbeiten und reinigen das Blut, indem sie Stoffe darin umwandeln. Die Lungen nehmen beim Einatmen Sauerstoff auf und geben beim Ausatmen Kohlendioxyd ab. Die Nieren regulieren den Flüssigkeitshaushalt und die Konzentration bestimmter Elemente im Körper. Schädliche Substanzen scheiden sie aus. Die Leber ist eine vielseitige Entsorgungs-, Kontroll- und Produktionsabteilung. Sie speichert (Glykogen), produziert (Proteine zur Blutgerinnung oder Gallenflüssigkeit zur Verdauung), formt um (Fette und Proteine in Kohlehydrate) und reinigt (Blut). Die Reparatur von Zellen und Organen, die Abwehr gefährlicher Eindringlinge und der Abtransport verbrauchter und riskanter Substanzen und ihre Ausscheidung erfolgen durch verschiedene Kreislaufsysteme. Die Skelettmuskeln wandeln die aus dem Blut gewonnene Energie in Arbeit um. Alle Abteilungen und Mitarbeiter, durch die ein pausenloser Strom an Information, Energie und Material fließt, stehen sowohl in horizontalen als auch in vertikalen Ordnungen zueinander. Bei einem gesunden Menschen befinden sich der Körper und die ihn steuernden Elemente, befinden sich Körper, Geist und Seele im Gleichgewicht und erzeugen Energie zur Arbeitsverrichtung, die – über die Extremitäten – der Fortbewegung des Organismus und durch Sprache und Gesten der Kommunikation mit der Außenwelt dient. Das Immunsystem, das Krankheit verursachende Bakterien und Viren abwehrt, stabilisiert die innere Balance des Menschen.

 

Das Gehirn und das Rückenmark schließen über die peripheren Nerven, die mit den Organen und den Sinnen verbunden sind, Abteilungen (Organe) und alle Mitarbeiter (Zellen) zu einer Gesamtstruktur zusammen. Das Gehirn steuert die Art und den Ablauf der Funktionen der einzelnen Abteilungen und bewahrt den Betrieb, indem es Organaktivitäten wie Atem und Herzschlag autonom sichert. Das Gehirn ist Zentrale der Entwicklung, Verarbeitung des Wahrgenommenen, Hintergrund des Lernens und Ort der Kreativität.

 

Das Gehirn und seine weitreichende Vernetzung bilden eine Grundlage für das Bewusstsein, den Geist und die Emotionen des Menschen. Es macht das Unternehmen Mensch zu einem System der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, der Arbeitsverrichtung und der Entfaltung von Produktivität. Das menschliche Gehirn hat eine Neigung zur Universalität. Sie wird realisiert, wenn beide Hirnhemisphären ausgeschöpft werden, was im Handeln und Denken, in der Bewegung und im Fühlen zum Ausdruck kommt.

 

Der Mensch ist ein zweiseitiges Unternehmen. Er hat eine unternehmerische Binnenordnung, die im Außen Unternehmungen veranlasst. Beide Seiten gelingen nicht für sich, da die innere Energie nach außen drängt und dem Menschen eine Position in einer Gemeinschaft und im Universum gibt. Das Unternehmen Mensch ist bestrebt, auch hier die Balance zu halten, während er sich ernährt und seine Kultur entfaltet.

 

Vermöge seines Bewusstseins, seiner Moralität und seines Geistes hat der Mensch seine innere Ordnung nach außen geweitet, seine Binnenordnung veräußert ins Universelle: Blutgefäße sind zu Verkehrswegen, Zellen zu Häusern, Nerven zu Informationsnetzen, Organe zu Produktionseinheiten geworden. Der Mensch hat Reiche gegründet und eine Schicht aus Strassen, Häusern und Städten um die Erde gelegt sowie Verkehrssysteme aus Flugwegen, Satellitenbahnen und Netzen der Information. Er hat gewaltige Werkzeuge erfunden und seine rationalen Vermögen entwickelt, auf dem Weg aber etwas zurückdrängen müssen: Körperkraft, Gefühl und die verbindende Tätigkeit seiner Sinnesorgane. Dabei ist ihm das Zurückgedrängte einerseits zum Ideal geworden, das als Sehnsucht nach Lebendigkeit zurückbleibt, andererseits zum unbewussten Herd der Destruktion, die an der Gestaltung der Welt beteiligt ist.

 

 

Ökonomische Unternehmen

 

Wie der moderne Mensch für die Distanz zur Natur, die Produktion von Werkzeugen und für den Gewinn seiner Rationalität etwas aufgegeben hat – was unerlässlich ist für sein Gleichgewicht –, so sind seine ökonomischen Unternehmen geprägt von der Dominanz der Rationalität und der technischen Intelligenz, die den Menschen in seiner irdischen Existenz eindimensional und im Universum ortlos gemacht haben. Ökonomische Unternehmen sind vor allem Einrichtungen zur Erzielung eines materiellen Gewinns. Sie verarbeiten Rohstoff, produzieren Güter, geben Dienstleistungen und stellen zur Verfolgung dieses Vorhabens Kapital und Produktionsanlagen bereit.

 

Ökonomische Unternehmen beginnen mit ihrer Gründung. Wie vor der Geburt eines Menschen muss es vorher eine Befruchtung geben. Pläne müssen geschmiedet, Ideen gesammelt und Aktivitäten vorbereitet werden. Die Begeisterung, die sich mit dem Aufbruch und mit der Arbeit an einer Neuschöpfung einstellt, setzt die intensiven Kräfte frei, die der Mensch benötigt, um die große Energie für neue Projekte aufzubringen.

 

In der ersten Lebensphase ist das junge Unternehmen anfällig gegen vielerlei Widrigkeiten, aber es wächst, wird geformt, gibt sich eine individuelle Gestalt und entwickelt ein Gedächtnis, das die jeweilige Ordnung sichert. Es bildet Sprache und Verhaltensweisen aus, erwirbt unternehmerischen Verstand und wird mit der Zeit erwachsen. Da die Welt im Fluss ist und sich Menschen und Produktionsformen wandeln, unterliegen Unternehmen steter Veränderungen, die dem Unternehmen einen Lebenslauf geben, eine Biografie. Es entfaltet einen Charakter und eine bewegliche Identität, und aus seiner lebendigen Geschichte lassen sich für zukünftige Projekte geeignete Schlüsse ziehen. Unternehmen können auch sterben. Ihr Konkurs ist so einschneidend wie der Tod eines Menschen. Der Tod eines Unternehmens ist die Erschöpfung seiner Liquidität, der Verlust der Lebenskraft, die täglichen Geschäfte führen zu können.

 

Mitarbeiter sind die kleinsten Zellen des Unternehmens. Sie sind Träger der sachlichen, sozialen und emotionalen Kompetenz. Ihre Tätigkeit ist in größeren Einheiten zusammengefasst, den Abteilungen wie Vertrieb, Forschung, Produktion, Personal, Einkauf, Marketing und Management, die in der Art ihres Zusammenwirkens die Unternehmensstruktur bilden. Abteilungen können sowohl gleichgeartet als auch hierarchisch geordnet sein. Unterschiedliche Kreisläufe sichern die Funktionen: Arbeitsteilig fließt ein Strom an Information und Material durch die verschiedenen Bereiche. Rohmaterial und Aufträge gehen in das Unternehmen ein, werden erfasst, registriert und an entsprechende Abteilungen weitergegeben, bis die Produktion anläuft. Dann entsteht das Produkt und kann vertrieben werden. Es verlässt das Unternehmen und wird dem Markt zugeführt. Als Katalysator vieler Abläufe hat der Vertrieb unmittelbaren Kontakt mit nahezu allen Abteilungen. Probleme bei der Herstellung können zum Informationsaustausch mit verschiedenen Abteilungen wie der Forschung und dem Marketing führen, oder dem Management, der koordinierenden Instanz des unternehmerischen Stoffwechsels.

 

Das Management ist das Gehirn ökonomischer Unternehmen. Es erarbeitet Richtlinien und Ziele und gibt dem Unternehmen eine Struktur, erstellt Pläne, trifft Grundsatzentscheidungen, kontrolliert Abläufe, entwirft eine Unternehmensidentität und steht in einer permanenten Kommunikation mit sämtlichen Abteilungen der innerbetrieblichen Ordnung.

 

Ökonomie als Unternehmen ist eine effektive Unternehmensform. Unermüdlich hat der Mensch mit ihrer Hilfe seine technische Begabung entwickelt und die Natur in eine Kunstwelt überführt, die zur Basis der Existenz des modernen Menschen geworden ist. Zugleich aber ist sie eine schwache Unternehmensform, denn Menschen haben zwar eine hochkomplexe, faszinierende und intelligente Technikwelt erschaffen, bisher aber keine innerbetrieblich hoch entwickelte Unternehmenskultur zustande gebracht und weder die Zerstörung der Grundlebensmittel Luft, Wasser und Nahrung noch Hunger, Krieg und Krankheit verhindern können. Um auf die Probleme der Zeit mit dem Wissen um ihre universelle Dimension zu antworten, müssen die vier Unternehmensformen Universum, Archaische Gruppe, Mensch und Ökonomie zu einer fünften Form zusammenwachsen und in das Wirtschaften den Horizont der Verantwortung und damit Spiritualität bringen.

 

 

Spirituelle Unternehmen

 

Die Besonderheit des Menschen liegt darin, dass er intelligent, emotional und für neue Erfahrungen offen ist. Ebenso darin, dass er von sich und seiner Existenz ein Bewusstsein hat: von seiner Geburt, seinem Werden, von seiner Welt, seinem Hinleben auf den Tod und von der Zukunft seiner Gattung. Als höchste Entwicklungsstufe des irdischen Daseins ist der Mensch, der seine rationalen Fähigkeiten mit seinen emotionalen Kräften verbindet und sich als Teil des Universums erfährt, ein geeignetes Modell für die Gestaltung von Unternehmen. Der auf die Wirkung seines Handelns in der Gemeinschaft und im Kosmos bedachte Mensch stellt neben Alltag und Natur Phantasie- und Gedankenwelten, an denen er sein ethisches Handeln ausrichtet und Verantwortung übernimmt. Indem er über seine materielle Existenz hinausgeht und seinem Dasein jenseits von Nahrungsbeschaffung und Arterhaltung einen Lebenssinn gibt, wird er zum geistigen Menschen, der über Kräfte verfügt, spirituelle Unternehmen zu konstituieren.

 

Spirituelle Unternehmen sind geistige Zellen des Universums. In ihnen hat das All eine geistige Einheit der Selbstspiegelung und der Reflexion geschaffen, ein Medium der Anhebung und der Transformation. Diese geistigen Zellen sind geeignet, Unternehmensformen zu überwinden, die ausschließlich ökonomische, egoistische und materielle Interessen verfolgen. Sie sind ein strukturelles Abbild des Universums, das der Ordnung des spirituellen Menschen folgt – seiner Biologie und seinen rationalen und emotionalen Vermögen sowie seiner Bezugnahme auf eine universelle Existenz.

 

Spirituelle Unternehmen haben eine Seele. Sie sind atmende Wesen. Inspirativ und konspirativ zugleich. Gemeinsam (con) atmen (spirare) Mitarbeiter, Abteilungen und Management. Ihre Seele verbindet Kooperation und Vertrauen, Rationalität, Emotion und Qualität. Die Mitarbeiter sind so mit ihrem Unternehmen und der Welt verwurzelt, dass sich in ihnen das Einzelne mit dem Universellen zum Gelingen des Unternehmens verbindet und sie alle Unternehmensformen zu einer Einheit zusammenschließen.

 

Das spirituelle Unternehmen ist der soziale Ort des spirituellen Menschen. Er erfährt sich bewusst als Kulturwesen und ist nicht nur um sich selbst besorgt, sondern trägt Sorge für andere. Wer nur an sich denkt und andere zum Mittel herabsetzt, sät Misstrauen und stört die Kommunikation im Innern und von innen nach außen. Misstrauen führt zu Isolation, Unsicherheit und Hemmung. Ist die innere Einheit des Unternehmens gestört, wird ein klares Handeln im Außen durchkreuzt – auf dem Markt, bei Kunden, mit Partnern –; fehlen Verantwortungsgefühl und Sinn gebende Perspektiven, verarmt die innere Ordnung und das Unternehmen verliert die Motivation seiner Mitarbeiter. Es büsst dann innovative Kräfte ein, erkrankt und verliert sein Rückgrat. Ihm folgen Anspannung und Stress, Bedingungen, unter denen sich der Mensch nicht ausschöpfen kann, weder seine Sinne noch seine Hirnareale, insbesondere nicht den Bereich, der zu bildhaften und kreativen Lösungen beiträgt – die rechte Hirnhemisphäre. Durch Vertrauen haben spirituelle Unternehmen in ihrer Persönlichkeit, die vom Einzelnen getragen wird, Ehrgeiz, Hochmut und Eigennutz überwunden. Das gegenseitige Vertrauen ist eine Grundlage sozialer Kompetenz, unter der Kooperation, Klugheit und Kreativität wachsen.

 

Das spirituelle Unternehmen fragt philosophisch. Es arbeitet nach den Maximen einer wachen Rationalität, die offen für verschiedene Richtungen ist, und fragt nach dem Sinn von Gewinn und Nutzen der Produktion. Das Unternehmen macht aus dem quantitativen Expansionsstreben eine Werte und Qualität schaffende Unternehmensentwicklung und verbindet in der Produktion Ästhetik, Ökonomie, Politik und Ökologie zu einer Wertform: Es bewahrt der Zukunft die kostbare Natur und das Kostbare der kulturellen Leistungen der Menschheit.

 

Spirituelle Unternehmen nutzen die emotionale Verankerung des Einzelnen als Wegweiser für die Bildung von Verantwortung. Der Mensch verankert sich in der Welt durch Emotionen, die Grundlage von Motivation und Handlungsbereitschaft. Sie sind der Kompass für ein sinnerfülltes Handeln und kompetente Entscheidungen. Balance und Würde, Sozialität und Einfühlungsvermögen sind an das Zusammenwirken von Rationalität und emotionaler Kompetenz gebunden. Zur emotionalen Kompetenz gehört das Fingerspitzengefühl, das Tasten und Fühlen in einer Krise, das die Signale sammelt und die Erneuerung feinsinnig lenkt. In der Krisenfähigkeit zeigt sich die Erneuerungsfähigkeit eines Unternehmens.

 

Die Identität eines Unternehmens kommt in der Qualität seiner Erzeugnisse zum Ausdruck. Die Botschaft ist das Produkt, dessen Design dem inneren Design des Unternehmens entspricht, die Veräußerung seiner internen Struktur. Design und Erzeugnis sind Sprache und Identität und Spiegel der Seele des Unternehmens, das sie mit seiner Umwelt verbinden. Auf der Suche nach Identität führen Gefühl und Rationalität zur Selbst- und Welterkenntnis und zur Sorge um das Bestehende, das in einem hohen Qualitätsstandard, der Wahl angemessener Materialien, geschmackvoller Formen und gut gearbeiteter Produkte sein Design und seine Verantwortung findet. Über sein hochwertiges Produkt greift das spirituelle Unternehmen kritisch und kreativ in die Gestaltung der Welt ein.

 

Spirituelle Unternehmen sind Blumen, die sich im Wind des Alls wiegen. Sie kommen jedoch nur zur Blüte, wenn sie neben ihrer Verantwortung als wirtschaftliche Einrichtung freiwillig auch die ethische Verantwortung übernehmen. Ohne ein solches Zusammenspiel von Ökonomie und Ethik entsteht keine Unternehmenskultur, entstehen weder Identität noch Sinn, weder Orientierung, Schutz, noch Zukunft. In der Überschreitung seiner materiellen Aufgaben nimmt das spirituelle Unternehmen seinen gesellschaftlichen und ökologischen Auftrag an, Botschafter der universellen Existenz zu sein und das konkrete Dasein des Menschen mit dem Hauch des Universums in eine Ordnung zu bringen.

 

 

© Hajo Eickhoff 2003

 

 

Hajo Eickhoff

 

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25. September 2017

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