aus Sinn und Kunst der Pflege, München 2012

 

 

 

Ein Ethik-Regelwerk für Pflegeberufe  

 

 

Ein Ethik-Kodex ist eine Empfehlung für gutes Verhalten. Soll Pflege gelingen, müssen alle an der Pflege beteiligten Handlungs- und Verhaltensweisen harmonieren. Der geübte Handgriff und die einzelne Geste im Zusammenklang mit Sachkenntnis und Verlässlichkeit, mit Achtsamkeit und Gelassenheit gibt Pflegebedürftigen Würde und Wohlbefinden, wirkt positiv in die Gesellschaft hinein und gibt dem Pflegeberuf seine Attraktion.

 

 

§ 1 Du darfst heiter sein.

 

Nutze Heiterkeit als Medizin. Als direkter Weg zum anderen wird Heiterkeit den Pflegebedürftigen gut tun und dir die Pflege leicht machen.

 

§ 2 Sei grosszügig.       

 

Wenn du das Unvergleichliche des Menschen anerkennst und seine Einzigartigkeit, bist du tolerant. Das könnte deine persönliche Großzügigkeit sein.

 

§ 3 Du musst antworten.

 

Wer auf problematische und fragliche Situationen wohlwollend reagiert und antwortet, zeigt seine Verantwortung für andere – und für sich.

 

§ 4 Sei achtsam.

 

In der Asymmetrie der Pflegesituation Pflegebedürftige mit Wohlwollen, Sachkenntnis und Engagement zu behandeln bedeutet Achtsamkeit, die Vertrauen schafft, eine wesentliche Grundlage der Pflege.

 

§ 5 Du kannst dich einfühlen.

 

Mitgefühl ist ein heilsamer Weg in der Pflege. Versuche, dich in das Denken, Fühlen und Verhalten der Pflegebedürftigen einzufühlen. So kommst du ihnen näher und schenkst Vertrauen. Einfühlungsvermögen ist Kommunikationsvermögen.

 

§ 6 Sei aufmerksam.

 

Wer sich kompetent und engagiert einmischen möchte, muss seine Sensibilität entwickeln. Aufmerksamkeit ist ein geschärftes Gespür für Zusammenhänge. Sie kann zum guten Leben Pflegebedürftiger beitragen, die Pflegearbeit erleichtern und du kannst durch deine Zufriedenheit Lebensfreude in der Arbeit finden.

 

§ 7 Du darfst sicher auftreten.

 

Wenn andere dich achten, dann auch deshalb, weil du dich achtest. Du trittst umso überzeugender auf, je mehr du deine Pflegehaltung gefunden hast – dein e geistige und körperliche Einstellung Pflegebedürftigen gegenüber.

 

§ 8 Pflege das Team.

 

Das Ziel von Teamarbeit in der Pflege ist Pflege. Die Effizienz eines Pflegeteams hängt von der Qualität der Beziehungen der Mitglieder ab – von Kollegialität und gegenseitiger Wertschätzung, denn eine gute Atmosphäre ist das A und das O jeder Teamarbeit. Reger fachlicher Austausch, gegenseitige Unterstützung und die gemeinsame Ausführung von Arbeitskonzepten ist die Folge. Das schafft Motivation und Lebenssinn, Verantwortungsbewusstsein sowie Geborgenheit, von denen Pflegebedürftige profitieren.

 

§ 9 Du kannst Pflege attraktiv machen.

 

Wenn Pflege erkannt wird als das, was sie ist, erscheint sie sofort attraktiv. Sie ist für diejenigen attraktiv, die erkennen, dass Pflege ein notwendiges und zugleich freiwilliges Verhalten des Menschen ist. Pflegen heißt Anteil nehmen, unterstützen, helfen. Schon Kinder wollen helfen. Deshalb kann der Mensch in der Pflege berührt werden.

 

§ 10 Kultiviere das Gute.

 

Das Gute in der Pflege sind Heiterkeit, Großzügigkeit und Verantwortungsbewusstsein, Aufmerksamkeit und Einfühlsamkeit, Achtsamkeit, Sicherheit und Kollegialität. Das Gute findet, wer seine Sinne und seinen Geist bildet und versucht, sie mit der Gesellschaft und mit dem Ganzen der Welt in eine Beziehung zu bringen.

 

 

© Hajo Eickhoff, Jan Teunen 2012

 

 

Hajo Eickhoff

 

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25. September 2017

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